Die Bronzebüste des 
CICERO Rednerpreis zeigt den berühmten Staatsmann und Rhetor "in seinen besten Jahren", so der französische Bildhauer Hubert Floriot. Er schuf die Preisskulptur in Anlehnung an die berühmte klassische Büste im Aspley House, London.

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Die Preisverleihung 2010

Die Kraft des Sprechens durch das Schreiben  

Heribert Prantl, Ressortleiter Innenpolitik der Süddeutschen Zeitung und Preisträger Cicero Rednerpreis 2010 des Verlages für die Deutsche Wirtschaft AG, spricht über die Pressefreiheit als das tägliche Brot der Demokratie.
Heribert Prantl, Ressortleiter Innenpolitik der Süddeutschen Zeitung und Preisträger Cicero Rednerpreis 2010 des Verlages für die Deutsche Wirtschaft AG, spricht über die Pressefreiheit als das tägliche Brot der Demokratie.   
Vita | Fotos von der Preisverleihung
Der Jurist und Journalist Heribert Prantl (56) wurde heute (Mittwoch) mit dem Cicero Rednerpreis 2010 der Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG ausgezeichnet. Mit ihm werde ein Redner geehrt, dem „als journalistischer Autor die rhetorische Tugend des Miteinander-Sprechens die Feder führt“, so der Verlag für die Deutsche Wirtschaft als Stifter des Preises. Der ehemalige Richter ist heute Ressortleiter Innenpolitik der Süddeutschen Zeitung und politischer Publizist. Verlagsvorstand Helmut Graf sieht in Prantl einen Mahner des Rechtsstaates, für den die Rede praktizierte Demokratie sei, genau wie bei Cicero.

Der Cicero Rednerpreis wird vom Verlag für die Deutsche Wirtschaft seit 1994 für herausragende rhetorische Leistungen gestiftet. Eine unabhängige Jury wählt den jährlichen Preisträger. Bei dem undotierten Preis handelt es sich um eine Bronzebüste des römischen Staatsmannes und Philosophen Marcus Tullius Cicero.

Historienmaler und Bußprediger
Der Festredner Christian Ude, Oberbürgermeister der Stadt München, lobte in seiner sehr persönlichen Festrede Prantl als bildmächtigen Formulierer und wortgewaltigen Schreiber. „Seine Kommentare beginnt er als Historienmaler, mit Beispielen aus dem Alten Testament, aus Märchen oder von Kolumbus. Er führt damit ins aktuelle Thema ein. Und er endet wie ein Bußprediger, ermahnt uns zum Umdenken. Er schreibt nicht für ein Lager, er schreibt für alle“, so Ude. Bei Prantl stehe stets die Frage im Vordergrund, welche Verfassung die Bundesrepublik habe, in welcher Verfassung sie sei bzw. in welcher Verfassung sie sein solle. Prantl stelle stets den Bürger in den Vordergrund und seine Freiheitsrechte, die es zu verteidigen gelte. Ude: „Er bekennt Farbe, bezieht Position, streitet, kämpft, für die Freiheitsrechte, für die Zukunft der Gesellschaft. Man darf ihn loben, ohne immer seiner Meinung sein zu müssen.“

Sprache entsteht aus dem lebendigen Sprechen
Der Jury-Vorsitzende Gert Ueding hob in seiner Laudatio Prantls Stärke hervor, die gerichtliche und journalistische Rede zu vereinen: „Der Redner Prantl verhandelt Fälle, spitzt sie argumentativ und engagiert zu, treibt sie gleichsam ins Stadium der Krisis, damit sich der Fall in seiner ganzen Tragweite und Bedeutung für die Öffentlichkeit zeigt.“ Die Grundfarben der Redekunst – auswählen, beurteilen, streiten und kämpfen – würden in ungebrochener Kraft aus allem entgegen leuchten, wovon und wie der Preisträger des Cicero-Rednerpreises 2010 redet und schreibt. „Heribert Prantl ist ein großer deutscher Schriftsteller und Journalist, weil er auch dort spricht, wo er schreibt, weil er seinen eigentümlichen Redeton in die Schrift hinübergerettet hat“, so Ueding.

Dem Preisträger sei die Phrase unerträglich, er nutze kritisches Fragen und Nachfragen, kräftige Formulierungen und prägnante Bilder, um dann zu einem Plädoyer auszuholen, dem man folgen könne, aber niemals müsse. „Ihr meisterlicher Umgang mit der deutschen Sprache wirkt wie ein Leitstern. Ob als Redner oder als Schreiber, Sie verlangen Antwort und Urteil, Sie formulieren und sprechen für ein Ihnen stets präsentes Publikum, verknüpfen das Wort mit der Tat, den Gedanken mit dem wirklichen Leben“, so der Jury-Vorsitzende. Prantl erinnere die Hörer und Leser daran, dass Sprache aus dem lebendigen Sprechen entstehe und Redekultur ihr höchster Ausdruck sei, aus der auch die Kraft zu einem freien Staatswesen gewonnen werden könne. „Dafür haben wir Ihnen als lesende Hörer und hörende Leser zu danken“, so Ueding.

Pressefreiheit ist das tägliche Brot der Demokratie
Heribert Prantl ging in seiner Dankesrede auf die Zukunft des Journalismus ein. Und die erfordere Haltung: „Haltung – das Wort ist aus der Mode gekommen. Haltung heißt: für etwas einstehen, sich nicht verbiegen lassen. Ich bin davon überzeugt, wenn die journalistische Bilanz der Zeitung, eines Medienunternehmens stimmt, stimmt auch die ökonomische“, so Prantl.

Er plädiert dafür, die konstruierten Gegensätze zwischen Zeitung und Internet aufzuheben. Prantl: „Der gute klassische ist kein anderer Journalismus als der gute digitale Journalismus. Es gibt guten und schlechten Journalismus, in allen Medien. So einfach ist das.“ Noch nie hätten Journalisten ein größeres Publikum als nach der

digitalen Revolution. Es gäbe wohl noch nie so viel Bedürfnis nach einem orientierenden, aufklärenden, einordnenden und verlässlichen Journalismus wie heute. Der Amateur-Journalismus in Blogs biete die Chance für eine fruchtbare Zusammenarbeit: „Blogs sind mehr Demokratie. Sie sind die Chance zu einer neuen bürgerlichen Revolution“, so Prantl.

Nach seiner Meinung sollten Journalisten und Verleger nicht so viel von der Pressefreiheit reden, sondern sie einfach praktizieren. Es leide die Demokratie, wenn Korrespondenten eingespart, Redaktionen aufgelöst werden. „Pressefreiheit ist das tägliche Brot der Demokratie. Den Satz sollten wir uns an unsere Schreibtische und unseren Verlegern an die Bürotüre kleben“, so Prantl.





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